Priv. Doz. Dr. med. Christoph Klingmann

Belüftungsstörungen in den Ohren

von Priv. Doz. Dr. med. Ch. Klingmann

 
 

Druckgefühl, gelegentlich ein Rauschen, Schmerzen im Ohr, knackende oder klickende Geräusche - Belüftungsstörungen sind weit verbreitet. Hier zeige ich einfache Massnahmen, die den oft hohen Leidensdruck aufheben oder mindern: Vom konservativen Tubentraining bis hin zur minimal-invasiven operativen Erweiterung der Ohrtrompete (Ballontuboplastie).

 
Definition
Belüftungsstörungen der Ohren sind weit verbreitet und treffen Patienten in jedem Lebensalter. Nicht wenige Patienten sind schon im ersten Lebensjahr von einer Belüftungsstörung der Ohren betroffen, die sich durch eine akute Mittelohrentzündung darstellen kann. Während die Mittelohrentzündungen oder die Bildung eines Paukenergusses im Kindesalter mit zu den häufigsten Erkrankungen im HNO-Bereich gehören, sind die chronischen Belüftungsstörungen der Ohren im Erwachsenenalter häufig die Ursache für die Notwendigkeit von Mittelohroperationen.
 
Aber auch nicht so stark ausgeprägte Belüftungsstörungen der Ohren führen häufig zu Beschwerden. So klagen die Patienten über ein Druckgefühl auf beiden Ohren, gelegentlich ein Rauschen auf den Ohren, Schmerzen im Ohr, knackende oder klickende Geräusche beim Schlucken in den Ohren und bei starker Ausprägung über eine Hörminderung auf dem betroffenen Ohr.
 

Bei Belüftungsstörungen helfen keine Ohrentropfen

Anatomie
Priv. Doz. Dr. Klingmann - Tubendilatation
Schema Tubendilatation
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Man unterscheidet das äußere Ohr, das aus Gehörgang und Trommelfell besteht und am Trommelfell endet. Das Mittelohr reicht vom Trommelfell über die Gehörknöchelchen bis zur knöchernen Begrenzung des Innenohrs. Zum Mittelohr gehören auch die Mastoidzellen, die ähnlich der Nasennebenhöhlen belüftete Zellen im Knochen darstellen und zur Gewichtsverringerung des Schädels beitragen. Das Mittelohr wird durch die Ohrtrompete, die auch Tuba auditiva oder Eustachische Röhre genannt wird, belüftet. Dies bedeutet, dass die Belüftungsstörung der Ohren sehr oft ihren Ursprung in der Nase hat, da die Ohrtrompete am Ende der Nase im Nasenrachen beginnt und hier zum Ohr zieht. Aus diesem Grund helfen bei Belüftungsstörungen auch keine Ohrentropfen, da diese das Trommelfell nicht passieren und zu keiner Verbesserung der Mittelohrbelüftungsstörung führen können. Hinter dem Mittelohr liegt das Innenohr, in dem sich die Hörschnecke befindet, mit der wir hören, aber auch das Gleichgewichtsorgan, dass uns die räumliche Orientierung ermöglicht. Durch das Innen- und Mittelohr läuft außerdem der Gesichtsnerv und Teile des Geschmacksnervs.
 

Vielfältige Symptome und Beschwerden

Diagnostik
Belüftungsstörungen der Ohren haben vielfältige Symptome und Beschwerden. Die Patienten haben häufig einen hohen Leidensdruck und die Ursache für die Belüftungsstörung können vielfältig sein. Abgesehen von einer ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte spielt die HNO-ärztliche Untersuchung eine maßgebliche Rolle bei der Ursachensuche der Belüftungsstörung. Durch die mikroskopische Untersuchung des Gehörgangs und des Trommelfells lässt sich feststellen, ob schon Komplikationen der Mittelohrbelüftungsstörung aufgetreten sind, wie beispielsweise ein Loch im Trommelfell, oder aber ein Paukenerguss (Flüssigkeit im Mittelohr), eine Knocheneiterung oder eine Ausdehnung des Trommelfells. Eine wichtige Differentialdiagnose der Tubenbelüftungsstörung stellt das Syndrom der klaffenden Tubedar. Es weist bei manchen Patienten ganz ähnliche Symptome auf.
 

Mikroskopische Untersuchung

Druckausgleich
Bei der mikroskopischen Untersuchung des Trommelfells wird auch darauf geachtet wie gut der Druckausgleich funktioniert, da dies in der Hand des erfahrenen HNO-Arztes immer noch die beste Funktionskontrolle darstellt. Die endoskopische Untersuchung der Nase und des Nasenrachens lässt weitere Pathologien feststellen, wie z.B. eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung oder eine chronische Schleimhautentzündung in der Nase, welche die Tuba auditiva anschwellen lässt und die Mittelohrbelüftung einschränkt. Durch die Endoskopie des Nasenrachens können andere Veränderungen festgestellt werden, die Belüftungsstörungen verursachen können.
 
"Polypen"
Bei Kindern werden häufig sogenannte „Polypen“ gefunden, die als Fachterminus Adenoide heißen und die häufigste Ursache für Belüftungsstörungen des Mittelohrs bei Kindern sind. Aber auch Erwachsene können seltene Veränderungen im Nasenrachen haben, die zu Belüftungsstörungen führen und die ggf. eine operative Therapie nach sich ziehen. Zu nennen sind hier zum Beispiel Schleimzysten (Tornwaldt Zyste) oder aber auch gutartige und bösartige Veränderungen im Nasenrachen.
 
Nachdem in der HNO-ärztlichen Untersuchung festgestellt wurde, ob die Mittelohrbelüftung gestört ist und ob ggf. Komplikationen vorliegen, schließt sich die ausführliche Diagnostik der Belüftungsstörung an.
 

Hörtests und Belüftungsmessungen

Hierzu gehören verschiedene Hörtests und Belüftungsmessungen des Mittelohrs. Gelegentlich ist eine Sonographie der Nasennebenhöhlen notwendig, wenn sich in der Endoskopie Hinweise für eine chronische Sinusitis ergeben haben oder weiterführende Allergietest.
 
Wurden alle Befunde zusammengetragen kann entweder die Ursache behandelt werden oder es wurde keine offensichtliche Ursache der Belüftungsstörung gefunden, was bei Erwachsenen sehr häufig der Fall ist.
 

Muskeltraining für das Mittelohr

Therapie
Gesetzt der Fall es wurde keine Ursache der Belüftungsstörung gefunden, geht man davon aus, dass eine Unterfunktion der Ohrtrompete vorliegt. Diese Unterfunktion kann häufig ausgeglichen werden. Hierfür muss man sich vor Augen halten, dass die Tuba auditiva durch einen Muskel geöffnet wird und mit Schleimhaut ausgekleidet ist. Ziel der Therapie ist also das Abschwellen der Schleimhaut und die Verstärkung der muskulären Tubenöffnung. Aus diesem Grund empfehle ich allen meinen Patienten mit Belüftungsstörungen der Ohren das regelmäßige Durchführen eines Druckausgleichs.
 
Druckausgleich
Zu Beginn der Therapie sollte hierbei alle 15 Minuten einmal ein Druckausgleich durchgeführt werden, also ca. 50 mal am Tag. Dieses Muskeltraining für die Tuba auditiva führt zu einer Stärkung des Muskels und zu einer besseren Öffnung der Ohrtrompete.
 
Um die Schleimhaut zu pflegen und abzuschwellen, sollten die betroffenen Patienten mindestens 2 mal täglich mit Kochsalzlösung eine Nasenspülung durchführen. Hierzu reicht es aus einen Teelöffel Salz auf einen Liter Wasser aufzulösen und mittels einer Nasedusche, die frei käuflich ist, die Nasenschleimhaut zu pflegen. Je nach Ausprägung der Belüftungsstörung wird diese Maßnahme durch die Verabreichung von örtlich wirkenden Kortisonsprays unterstützt. Abschwellende Nasentropfen, wie sie frei erhältlich in der Apotheke sind, sollten nicht verwendet werden, da diese auf Dauer schädlich für die Nasenschleimhaut und Nasenrachenschleimhaut sind.
 

Heilung oder deutliche Verbesserung bei 70% meiner Patienten

Ohne Operation
Die Kochsalzspülungen der Nase, die Anwendung des örtlichen Kortisonnasensprays und das Tubentraining sollte über 6 Wochen fortgeführt werden und führt bei fast 70% meiner Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der Mittelohrbelüftung oder zu einer Heilung der Belüftungsstörung. Wir haben dies wissenschaftlich untersucht und statistisch hochsignifikant belegen können.
 

Operative Therapie - Ballontuboplastie

minimal invasiv
Priv. Doz. Dr. Klingmann - Tubendilatation
Dr. Klingmann demonstriert die Tubendilatation
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Patienten, die auf die konservative Therapie nicht ansprechen, steht ein weiteres Verfahren zur Verfügung. Die Ballontuboplastie wurde 2009 erstmalig durchgeführt und seit dieser Zeit mehr als 20.000 mal angewendet. Die Ballontuboplastie bietet für Patienten mit Belüftungsstörungen eine ergänzende Therapie zum konservativen Tubentraining dar, da sie minimal invasiv ist. Bei der Ballontuboplastie wird in Narkose ein Einführinstrument durch die Nase vor die Ohrtrompete geführt und hier ein kleiner Katheter in die Ohrtrompete eingebracht. Dieser Katheter wird ähnlich wie bei den Herzkatheterverfahren mit Kochsalz auf 10 bar aufgepumpt und dehnt sich hierbei auf einen Außendurchmesser von 3,7 mm aus. Der Katheter wird für 2 Minuten belassen und dehnt den knorpeligen Anteil der Ohrtrompete und löst Verklebungen zwischen der Schleimhaut der Ohrtrompete. Nach 2 Minuten wird der Katheter entfernt und der Nasenrachen endoskopisch kontrolliert. Nach der Operation hat der Patient häufig für mehrere Tage einen Druck auf dem Ohr, da die Ohrtrompete in der Reaktion auf den Katheter etwas anschwillt. Nach ca. 1 Woche ist die Ohrtrompete wieder funktionsfähig. Ich selbst habe das Verfahren bei Sporttauchern aus ganz Deutschland im Rahmen einer Studie erprobt. Hierbei wurde allen Tauchern zunächst ein konservatives Tubentraining empfohlen, das sie obligat durchlaufen mussten. Ca. 70% der Taucher wurden allein durch das konservative Tubentraining wieder tauchtauglich, die 30% der Taucher bei denen das Tubentraining keinen ausreichenden Erfolg erbrachte wurden mittels der Ballontuboplastie behandelt.
Priv. Doz. Dr. Klingmann - Tubendilatation - minimalinvasive OP
Dr. Klingmann bei der minimalinvasiven OP
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Alle diese Taucher konnten nach der Behandlung deutlich besser Druckausgleich durchführen und wieder problemloser tauchen oder überhaupt erst tauchen, da manche Patienten dabei waren, die das Tauchen noch gar nicht beginnen konnten und es teilweise schon Jahre versucht hatten. Der Therapieerfolg hält vermutlich dauerhaft an. Meine ersten Patienten wurden 2011 behandelt und bisher war keine erneute Ballontuboplastie notwendig. Länger ist der Nachbeobachtungszeitraum bisher nicht gewesen. Grundsätzlich wurde die Tubendilatation von allen Patienten sehr gut vertragen und als nicht schmerzhaft bezeichnet. Komplikationen traten keine auf.
Hier finden Sie weitere Informationen über das Katheterverfahren:
&span;www.druck-auf-dem-ohr.de
 

Für wen kommt diese Therapie in Frage?

Die Ballontuboplastie, wie auch das konservative Tubentraining, bietet sich für Patienten an, die Druckgefühl oder Schmerzen in den Ohren haben, für Taucher mit Belüftungsstörungen der Ohren, für Patienten, die beim Fliegen Druck auf dem Ohr haben oder schon nicht mehr fliegen können, da der Druckausgleich nicht funktioniert.
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Druckpumpe und Einführinstrument, entzündeter Nasenrachen und eine mögliche Folge von Belüftungsstörungen: Loch im Trommelfell
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Ebenso für Patienten, die im Gebirge oder beim Gondelfahren Schmerzen entwickeln. Die Tubendilatation dient aber auch zur Verhinderung von chronischen Belüftungsstörungen der Ohren, die Operationen nach sich ziehen könnten. Um herauszufinden für welchen Patienten welches Verfahren geeignet ist und ob er überhaupt in Betracht für diese Maßnahmen kommt, ist eine gründliche HNO-ärztliche Untersuchung notwendig.
 
 
 

Das kann ich für Sie tun

Portrait Priv. Doz. Dr. Klingmann

Belüftungsstörungen der Ohren sind weit verbreitet und treffen Patienten in jedem Lebensalter. Durch meine langjährige Erfahrung als Taucherarzt bin ich auf Belüftungsstörungen der Ohren spezialisiert und habe schon viele meiner Patienten wieder unter Wasser oder in ein Flugzeug gebracht.

Viele Piloten und Flugbegleiter wurden von mir behandelt und können wieder problemlos fliegen.

Die genaue Erhebung der Krankheitssymptome ist essenziell für das Finden einer korrekten Diagnose. Sie erhalten zeitnah und flexibel eine kompetente Beratung und Behandlung. Ich setze qualitativ die besten derzeit verfügbaren Methoden ein und nehme mir viel Zeit für Sie. Die Behandlung erfolgt deshalb in meiner  Spezialsprechstunde

 
Terminvereinbarung   +49 89 290 45 85 Priv. Doz. Dr. med. Christoph Klingmann
 

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